ROCK'n'RÜTZEL

Wenn ich Euch nerve, habts Ihr keine Nerven.

12von12 – Alpaka-Edition

12 Bilder am 12. des Monats. Eine Menge anderer Sammlungen gibt es hier.

Ich bin gerade in England, auf dem Land in der Nähe von Worcester, und besuche einen Alpakaflüsterer-Kurs. Größte Überraschung: Auch wenn diese Tier unfassbar schnuffnasig und plüschtierig aussehen – sie wollen am liebsten nicht angefasst werden. Also wirklich GAR NICHT. Und sie fangen an, halb genervt und halb besorgt zu summen, wenn ihnen etwas nicht gefällt. Um sie gut zu behandeln, muss man eine Menge lernen. Los geht es seit vier Tagen jeden Morgen hier, in meinem angemessen poshen B&B.

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Unsere Agenda für heute sieht unter anderem eine neue Handling-Technik und Fußpflegetipps vor:

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Zentrale Lehreinheit ist heute der Midline Catch: Statt die armen Alpakas, wie sonst meist üblich, irgendwie in den Schwitzkasten zu nehmen und zur Bewegungslosigkeit zu ringen, wenn man ihnen eine Spritze geben oder sie irgendwohin führen muss, lernen wir eine

  1. viel elegantere
  2. deutlich alpaka-angenehmere und
  3. trotz weniger Kraftaufwand tatsächlich auch effektivere Grifffolge.

Manche Lehrsätze, die ich mir aufschreibe, würden auch 1A-Folk-Protestsong-Lyrics abgeben.

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Manchmal muss man diese Technik anwenden, um den Alpakas Entwurmungspaste ins Maul zu geben. Zum Beispiel mit einem solchen Gerät:

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Um die Tierteilnehmer nicht unnötig zu strapazieren, werden alle nötigen Griffe zuerst an klassischen Alpakaflüsterer-Unterrichtsmaterialien geübt.

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Hier sehen wir den Bracelet-Griff in Vollendung. Der Alpakakopf wird dabei weniger festgehalten als vielmehr ausbalanciert.

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Draußen auf der Weide wartet schon die Gang, an der wir Midline Catch und Bracelet anschließend üben. Es fällt sehr schwer, nicht sofort alles wieder zu vergessen, weil das ganze Hirn fortwährend „Alpakas!Alpakas!Alpakas!UndeinLama!“ jubiliert.

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Wenn Fangen und Halftern klappt, ohne dass die Übungsalpakas wild ihre Hälse schwenken wie Krane im Sturm oder sich protesthalber auf den Boden legen, folgt die nächste Unterrichtseinheit: Herumführen. Viel besser finden die meisten Alpakas allerdings Herumstehen.

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Ich finde alle Alpakas super, nur das Lama Eddy fürchte ich, weil er sehr, sehr nah herankommt und manchmal auch angedeutete Hochrotzsounds darbietet. Am liebsten mag ich aber Bonnie, kurz für Bonita.

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Zum Mittagessen gibt es das Dessert mit dem schönsten englischen Namen: Eton Mess. Es entsteht ein heiteres Tischgespräch über der Frage, welches Fabelwesen oder Zeichentricktier ein optisch ähnliches Ergebnis erzielt, wenn es speiben muss.

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Damit der Flauschfaktor in keiner Sekunde absinkt, werden in den alpakafreien Momenten sofort ausreichend Welpen bereitgestellt.

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Was darf zum Abschied natürlich nicht fehlen? Ein Alpalfie, klar.

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Das war mein letzter Tag in England, der Kurs ist vorbei, und ich bin traurig. Aber nur kurz, denn jetzt muss ich den praktikabelsten Plan ausarbeiten, wie ich selbst ein Alpaka haben kann. Oder drei.

Stock und Schleim(beutelentzündung)

Ich schreibe diesen Text auf dem Siechenlager, aufgebahrt und mit hinfälligem Gepränge. Genau genommen schreibe ich ihn gar nicht mal selbst, sondern diktiere ihn – wenn schon nicht meinen getreuen Hund, wie ich es mir in meinen tech-vertrauensseligsten und zukunftsgläubigsten Träumen manchmal ausmale – so doch immerhin der eingebauten Diktierfunktion meines Macbooks. Diese mouffeartige Schrulle ist nötig geworden, da mein linker Arm aufgrund einer Ellenbogenschleimbeutelentzündung für die nächsten vier Wochen absolut ruhig gestellt werden muss. Das bedeutet erstens kein Tippen und zweitens den altersmäßig eh längst fälligen Besuch eines Sanitätshauses.

Schon früher bestellte ich gerne allerhand Altersklimbim (zB umschnallbare Kühlmasken, die das ganze Gesicht bedecken) bei fancy Onlineshops wie Seniorenbedarf.de. In echt hatte ich noch keines dieser fleischfarben gewähnten Greisenzubehörfachhandlungen betreten. Eigentlich sollte ich auf Geheiß meines Arztes dort auch nur eine Ellenbogensschiene zur Fixierung der lädierten Gliedmaße erstehen, doch schon das überreiche Angebot an fliederfarbenen Stützstrümpfen weckte meine Shoppinggier.

Die bibereifrig scheinende Verkäuferin schien zudem gewittert zu haben, dass bei mir leicht Penunzen zu holen waren. Nachdem sie mir mit nicht zu verleugnender Neigung zum klamottesken Handgemenge meine Ellenbogenschiene angepasst hatte, traf sie mich an der Kasse überraschend an einem bislang unbekannten weichen Punkt: „So ein Gehstock wäre auch ein schönes Accessoire für Sie“, sagte sie, an sich natürlich eine bodenlose Frechheit, aber irgendwie auch eine sehr gute Idee.

Zumal neben der Kasse ein umfangreiches Sortiment durchaus formschöner Gehstöcke aufgebaut war, was mich zu der Vermutung brachte, das sie den Trick möglicherweise schon an anderen Hinfälligen ausprobiert hatte. Sie musterte mich kurz und schaute direkt in meine Konsumentenseele: „Es gibt auch einen Dr. House-Gehstock“, sagte sie verschlagen, „eine genaue Nachbildung seines Modells aus der Serie.“ „Ist nicht wahr“, sagte ich, und zuckte im Geiste bereits die Geldbörse. Leider sei der Housestock nicht vorrätig, sagte die Verkäuferin bedauernd, schrieb mir aber eilfertig die Adresse eines Gehstockspezialshops im Internet auf, wo ich das Modell ohne Probleme erhalten sollte.

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Zuhause angekommen wand ich mich als rostiger Roboter mit meiner Schiene aus dem Mantel und tippte mit der noch verbliebenen Hand sofort die angegebene Adresse in den Rechner. Fatal, sehr fatal! Denn nun bin ich extrem hin- und hergerissen, welches der vielen prächtigen Stockmodelle ich mir bestellen soll. Dr. House gut und schön, aber wäre ein Stock mit Krokodilknauf, Windhundkopf oder versteckter Schnapsreserve nicht viel praktikabler? Von dem Modell mit dem versenkten Dolch im Griff mal ganz abgesehen. Nun bin ich also in Zwiespalt, das ist nicht schön. Schön aber ist, das mir einmal mehr die Furcht vor dem Älterwerden genommen wurde. Es besteht ja offenbar glücklicherweise keinerlei Grund, als Greisin mit den Spinnereien, den Prassaktionen und all den anderen Kokoloresideen aufzuhören. Vielleicht bestelle ich mir einfach drei Stöcke. So jung bin ich nun ja wirklich nicht mehr.

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(Für Dada-Freunde hier übrigens der Text in der unbearbeiteten Fassung, according to Diktierfunktion. Für die Pennäler unter Ihnen habe ich auch ein Paar Titten versteckt:

Ich schreibe diesen Text auf dem siechen Lager, aufgebaut und mit hinfälligen Gepränge. Genau genommen schreibe ich in gar nicht mal selbst sondern diktiere ihn bin schon nicht mein getreuen Hund, welches mir in mein Tag vertrauenseligsten und zukunftsgläubig sind träum manchmal ausmale–immerhin der eingebauten Diktierfunktion meines Macbooks. Diese mussartige Schule ist nötig geworden, da mein linker Arm aufgrund einer Ellenbogen Schleimbeutelentzündung Für die nächsten vier Wochen absolut ruhig gestellt werden muss. Das bedeutet erstens kein Titten und zweitens den altersmäßig eher längst fälligen Besuch eines Sanitätshauses. Schon früher bestellte ich gerne allerhand Altersklimbim Klammer zum Beispiel um schnallbare Kühlmasten, das ganze Gesicht bedecken Klammer was sind Sie online Shops wie Seniorenbedarf DI in. In echt hatte ich noch keines dieser Fleischfarben gewähnt sind greisen Zubehörs Verhandlung getreten. Eigentlich sollte ich auf Geheiß meines Arztes dort auch nur eine Ellenbogensschiene zur Fixierung der lädierten Gliedmaße erstehen, doch schon das überreiche Angebot an Fliederfarben in Stützstrümpfen weckte meine Shopping Gier. Die Biberwechsler schicke Verkäuferin schinkels zugetan Gewitter zu haben, das bei mir leicht Penunzen zu holen waren. Nachdem sie mir mit nicht zu verleugnen der Neigung zum Klamotten Handgemenge Meine ellenbogenschiene angepasst hatte. Traf sie mich an der Kasse überraschend an einem bislang unbekannten wunden Punkt: so ein Gehstock wäre auch ein schönes Ases war für Sie, sagte sie, an sich natürlich eine bodenlose Frechheit, Aber irgendwie auch eine sehr gute Idee. Zumal neben der Kasse Ein umfangreiches Sortiment durch aus Form schöner Gehstücke aufgebaut war, Was mich zu der Vermutung brachte, das sieht die Krieg möglicherweise schon an anderen hinfälligen ausprobiert hatte. Sie musterte mich kurz und schaute direkt in meine Konsumenten Seele: Es gibt auch einen Dr. House Gehstock, sagte sie verschlagen, Eine genaue Nachbildung seines Modells aus der Serie. Ist nicht wahr, sagte ich, und zuckte im Geiste bereits die Geldbörse. Leider sei der Hausstock nicht vorrätig sagte die Verkäuferin bedauernd Schrieb mir aber ein fertig die Adresse eines Gehstock Spezial Shops im Internet auf wo ich das Modell ohne Probleme halten sollte. Absatz Zuhause angekommen, Wand ich mich Jan rostiger Roboter mit meiner Schiene aus dem Mantel und tippte mit der noch verbliebenen Hand sofort die angegebene Adresse in den Rechner. Hat halt! Sehr fatal! Denn nun bin ich extrem hin und hergerissen welches der vielen prächtigen I Stockmodelle Ich mir bestellen soll dr. House gut und schön, Aber wäre ein Stock mit Krokodilknauf Wind Hund Kopf oder versteckter Schnaps Reserve Nicht viel praktikabler? Von dem Modell mit dem versenkten durch im Griff mal ganz abgesehen. Nun bin ich als in Zwiespalt, das ist nicht Schon aber ist, das mir einmal mehr die Furcht vor dem Älterwerden genommen wurde. Es besteht ja offenbar unglücklicherweise keinerlei Grund, Als Greisin mit den Spinnereien das Action und anderes anderen Kokolores Ideen aufzuhören. Vielleicht bestelle ich mir einfach drei Stück. So jung bin ich nun ja wirklich nicht mehr.)

Aus der Tiefe des Traumes (2.4.2016)

ich bin dringendste Verdächtige in einem Mordfall, weil am Tatort mein „Schlecht“-Stempel gefunden wurde, blutverschmiert. Das Verhör ist lang und zäh.
Ich: Naja, aber ich könnte den ja auch irgendwo anders verloren haben, ohne es zu merken.
Kommissar: Sehr unglaubwürdig, jeder weiß, wie sehr Sie es lieben, schlechte Dinge zu stempeln.

Aus der Tiefe des Traumes (21.3.2016)

Weil das Internet kaputt ist und der Bildredakteur keine Fotos von Mario Götze finden kann, auf denen die Haare schön sind, soll ich schnell losfahren und ein paar Porträts schießen. Leider stellt Götze sich beim Posieren nicht sehr gut an, und auf jedem, wirklich jedem Foto sieht er aus wie ein extrem verzagter Dawson Leery. Die Ähnlichkeit zwischen beiden sei mir noch gar nicht aufgefallen, aber tatsächlich passe die Handlung von „Dawson’s Creek“, dieses Erst-umworben-dann-verschmäht-werden von einem Menschen mit haselmausartigem Äußeren als Metapher ja auch super auf das, was er, Götze, gerade beim FC Bayern durchmache. Ach was, sagt Götze, er sitze ja gar nicht selbst auf der Bank, das sei nur ein Hologramm. Er selbst sitze während der Spiele immer am dann ausgestorbenen Chiemsee und verzehre in einem Café behaglich einen Windbeutelschwan.

12 von 12 Geburtstagsedition – Altsein rules ok

12 Fotos, aufgenommen am 12. eines Monats.

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Man sieht es sofort an meiner altersadäquaten Schlafanzughose: Heute werde ich 43 Jahre alt. Act your age – am Arsch!

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Ich begehe den Tag in professioneller Rentnerhaftigkeit, nämlich mit einem Wochenende in meinem geheimen DDR-Retreat. Meine Schwester ist auch dabei und bereitet mir ein hervorragendes Geburtstagsfrühstück mit den besten Geschenken.

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Juri beweist wie immer Sinn für Bildkomposition.

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Meine Schwester hat ihr Glückskeksspruchorakel mitgebracht.

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Ich komme gut weg.

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Zur Feier des Tages wird zur Mittagszeit eine traditionelle aka spontan selbst zusammengepantschte Müritzschorle eingenommen (Serviervorschlag). Eierlikör und Pfeffi, what’s not to like?

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Der niedlichste Hund der Welt macht heute besonders niedliche Sachen.

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Die Ferienwohnung besticht durch extrem geschmäcklerische Musikauswahl. Geil, heute Abend Disco!

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Lektüre hatte ich vorsichtshalber selbst mitgebracht.

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Eine zweite Befragung des Glückskeksorakels relativierte die Morgeneuphorie wieder, äh, etwas.

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Ein Türmchen im Garten des Retreats triggert meinen inneren Montaigne. Und meinen inneren Lupo.

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Traurig gewesen: Es ist das erste Jahr, in dem ich keinen Babouche-Glückwunsch bekam, und es ist so schwer, zu wissen, dass nie wieder einer kommen wird.

Turn and face the strange

David Bowie ist am Sonntag gestorben, und ich kann das immer noch nicht glauben.

Für Spex.de habe ich versucht, meine ersten Erinnerungen an ihn aufzuschreiben, was nicht einfach fiel, weil er einfach irgendwie immer schon da war und, so hatte ich angenommen, auch immer da sein würde. Hier noch ein paar Gedankenbröckchen mehr.

Er sah aus wie ich. Obwohl er nicht von „Biggis Frisierstübchen“ oder „Schnippschnapp“ (wie die schmerzensreichen Friseursimitate meiner fränkischen Dorfjugend hießen) verzuppzottelt worden war, das war ein Trost. Ich sah David Bowie das erste Mal bewusst in „Labyrinth“, dem ersten Film, den ich in den „Spessart-Lichtrspielen“ nicht mehr in der Sonntagnachmittag-Kindervorstellung sehen musste, sondern am potenziell aufregenden Freitagabend anschauen durfte, und war sofort fasziniert von diesem Kobold-König, der eine Gräfin-Guldenburg-Bluse und sehr, also wirklich sehr enge Strumpfhosen trug. Seine Rolle war verwirrend und irgendwie sonderbar sexy, und seine Frisur versöhnte mich mit dem jüngsten Haardebakel auf meinem Kopf. Meine Mutter erzählte mir am nächsten Tag, dass David Bowie eigentlich ein Popstar war, ich fand ihn tatsächlich auf den pergamentenen Seiten im Katalog dieses sonderbaren Plattenversands mit dem hosenlosen Krokodil als Maskottchen, und ein paar Monate später performte ich eine Bodenturnkür im verhassten Sportunterricht, bei der man immerhin die Begleitmusik selbst wählen durfte, zu einer leierigen Kassettenversion von „Changes“. Eine Zeile habe ich nie mehr vergessen. Turn and face the strange – das allerbeste Durchhalte-Mantra, nicht nur für eine Jugend im Unterfränkischen.

Ich weiß nicht mehr, ob ich wirklich daran glaubte, dass sich die Dinge ändern würden, als ich mit Todesverachtung Flugrollen und windschiefen Handstand auf Halbmast darbot, wahrscheinlich eher nicht – in den achtziger Jahren als Schülerin einer Bildungsreinrichtung namens „Mädchenbildungswerk der barmherzigen Schwestern vom heiligen Kreuz“ an echte changes zu glauben, wäre doch sehr vermessen gewesen. Aber ich fand – damals vermutlich unbewussten – Trost in der Tatsache, dass es da jemanden gab, der ganz offensichtlich ein Rad ab hatte, sich sonderbarst anzog, sonderbarst aussah – und gleichzeitig wunderschön-, und der, das wichtigste, keine Angst zu haben schien.

Meine Eltern erzählen gerne, dass man mich als Kind unbesorgt irgendwo im Hof absetzen konnte, noch zwei Stunden später würde ich verlässlich an derselben Stelle sitzen, und auch ein paar Jahre später war ich schüchtern und oft verwirrt. Als ich noch mal ein paar Jahre später allmählich lernte, was David Bowie mit der Welt machte, passte alles zusammen.

As an adolescent, I was painfully shy, withdrawn. I didn’t really have the nerve to sing my songs on stage and nobody else was doing them. I decided to do them in disguise so that I didn’t have to actually go through the humiliation of going on stage and being myself. I continued designing characters with their own complete personalities and environments. I put them into interviews with me! Rather than be me — which must be incredibly boring to anyone — I’d take Ziggy in, or Aladdin Sane or The Thin White Duke. It was a very strange thing to do.

„What do you regard as the lowest depth of misery?“, wurde Bowie einmal gefragt. Seine Antwort: „Living in fear.“

Sonderbar sein, ohne Angst zu haben, das war für mich immer die tollste unter den vielen tollen Bowie-Superkräften. Dass er diese Furchtlosigkeit zumindest augenscheinlich bis zuletzt nicht verloren hat, rührt mich sehr. Zumindest sieht er auf diesem Foto, aufgenommen zwei Tage vor seinem Tod, sehr, sehr furchtlos aus. 

Gute Reise. Sag Grüße.

Aus der Tiefe des Traumes (31.12.2015)

Mit der Post kommt überraschend ein riesiges Paket: Eine monströse Leder-Applikation zum Aufbügeln, der Namensschriftzug des Public-Enemy-Rappers und Uhrenliebhabers Flavor Flav. Ich habe etwas Schwierigkeiten, den großen Karton in meine Wohnung zu schleppen, denn ich wohne inzwischen im hohlen Inneren der Gewürzetheke meines Supermarktes, was schlimmer klingt, als es ist, weil es von innen sehr viel größer ist, als es von außen aussieht. Mein bester Freund ist ein zahmer Hamster namens Phil, er wohnt nicht weit entfernt im Käseregal, und zwar hinter den knallgelben, abgepackten Stücken des „Slimani-Käse“.

Aus der Tiefe des Traumes (20.12.2015)

Ich muss eine Artikelserie über beliebte Entertainer im Fischreich schreiben, ALLES hängt für mich davon ab, dass diese Reihe ein Erfolg wird. Leider fallen mir nur zwei Beispiele ein: Stefan Raal und Rudi Forell. Ich versuche, mich in eine längliche Abhandlung über die beliebteste TV-Serie aller Fische zu retten: „Unser Lehrer Doktor Hecht“.

Aus der Tiefe des Traumes (18.12.2015)

Jürgen Klopp kommt als Trainer zurück zum BVB Dortmund – unter der Bedingung, dass der Verein offiziell in eine Religionsgemeinschaft umformiert wird. So geschieht es, und ich bin in einem sehr großen Stadion bei der ersten Messe dabei. Klopp kommt in einem Ministrantengewand (lila Rock, was bekanntlich auf Fastenzeit hindeutet) auf eine eilig hingezimmert wirkende Bühne, begleitet von einem festlich angetanen Pfarrer: Es ist Andreas Bourani, der zusammen mit Klopp anfängt, eine schief umgedichtete Version von „Fest soll mein Taufbund immer stehen“ zu singen; „Fest soll meine Freistoßmauer immer stehen“. Das ist sowohl rhythmisch als auch metaphorisch eine Beleidigung, außerdem ist der „Taufbund“ eines meiner liebsten Kirchenlieder, und ich gerate sofort in feinste Pöbellaune. Ich beginne dann einen ausführlichen Brüllstreit mit einer BVB-Anhängerin: ich verhöhne sie, weil im gespenstisch leeren Stadion nur sieben BVB-Anhänger der Messe folgen. Sie hält erbittert dagegen: Sie habe gezählt, und es seien neun. Ich gehe vor dem Schlusssegen.

Aus der Tiefe des Traumes (14.11.2015)

Für ein Schickimicki-Hochglanz-Frauenmagazin muss ich KIZ und Jon Hamm zusammen interviewen, Thema: Style in Deutschland. Während Hamm ausführlich und fast streberhaft antwortet, machen KIZ nur hamsterhafte Quietschgeräusche, zudem merke ich etwa in der Mitte des Interviews, dass es sich um ausgesprochen schludrig ausgewählte Doppelgänger handelt. Macht nichts, sagt der Chefredakteur, beschließt dann aber doch, statt des Interviews lieber eine 10-seitige Fotostrecke zu drucken, die Fake-KIZ und Hamm bei der Zubereitung eines Salade Nicoise zeigt. Ersatzweise soll ich das Style-Interview mit dem Baubürgermeister der Stadt führen, der gerade wegen diverser verschleppter Projekte in der Kritik steht. Der allerdings knallt mir die Bürotüre vor der Nase zu: „Geschmacklos!“, findet er. Jon Hamm verrät mir zum Trost ein Geheimnis, das ich drucken könne und das noch niemand von ihm weiß: „Ich trinke unheimlich gern Traubensaft.“