12von12 – Mai 2017

Es ist ja so: Völlig mühelos könnte ich jede 12von12-Edition ausschließlich mit Bildern des schönsten Hundes der Welt füllen, der zufällig auch noch meiner ist. Hier wartet er, wie jeden Morgen nach dem ersten Gassigang, auf eine Runde Häschen-Apportieren. Das Stofftier kommt von Ikea, ist ausgesprochen unstrapazierfähig verarbeitet und überlebt trotzdem schon sensationell lange als Juris liebstes Zauseltier.

 

Zum zweiten Gassigang ist schon bestes Flanierwetter. Ich liebe meine Straße sehr. Im Winter fühlt man sich wegen der helllabradorfarbenen Arbeiterpaläste beim Spazierengehen hier wie in Moskau. Und im Frühling und Sommer wie in einer unrealistisch bunt gephotoshoppten Fantasieversion von Moskau.

 

Besonders gut gefallen mir die vielen arbeiter-folkloristischen Vignetten an den Hauseingängen.

 

Die konsensfähige Meinung zu diesem Rieselstrauß wäre wahrscheinlich: Die Blumen haben ihre Hübschigkeit getan, die Blumen können gehen. Mir gefallen sie in diesem drei, vier Tage-drüber-Zustand milder Naturmelancholie allerdings noch sehr gut. Die halten noch ein bisschen.

 

Nach langem Eames-Begehren habe ich mir jetzt dann doch einen Side Chair gekauft, und zwar in der schönen Farbe moosgrau. Noch hat er seinen endgültigen Platz wegen größerer Wohnungsumräumung nicht gefunden, also lagert er derweil farblich nicht ganz korrekt einsortiert bei den Büchern.

 

Die Post bringt dann auch gleich noch ein paar Bücher mehr. Nicht, dass ich gerade so dringend welche brauchen würde, zu viele Lektüre-Stapel schwanken in meiner Wohnung, wenn ich zu dicht an ihnen vorbeigehe, schon wie Kräne im Sturmwind. „Walden“ wollte ich aber schon immer mal lesen, In „The Night Ocean“ geht es um einen Lovecraft-Besessenen, und David Foster Wallace mag ich wie alle zurechnungsfähigen Menschen natürlich auch. Mal schauen, auf welchen Stapel ich diese drei jengamäßig obenauf lege.

 

Aktuell lese ich noch dieses Buch. Ich bin großer Fan der kleinen Schlaumeier-Reihe aus Alain de Bottons „School of Life“. Mein Favorit bis jetzt: „How to think more about Sex“.

 

Ein nächster Schritt zur Erfüllung meines Traums von einem Leben mit extrem reduziertem Menschenkontakt: Ich teste Amazon Fresh und lasse mir wie die dekadente Alte, die ich hoffentlich bald bin, meine glutenfreien Lieblingsnudeln und das feinste Hundefutter nach Hause bringen.

 

Außerdem: Birnen.

 

Dann, es hilft ja nichts, ein bisschen Arbeit. Mein schlauer Hund spürt sofort, dass ich überhaupt keine Lust dazu habe, und legt sich so über mein Bein und halb auf das Laptop, dass Tippen ummöglich ist. Außerdem schlägt er mit der Pfote nach mir, wenn ich aufhöre, ihn beim einhändigen Schreiben mit der anderen Hand zu kraulen. Es ist die schönstdenkbare Art, zu arbeiten. Außerdem: Jogginghosen. Wie habe ich es all die festangestellten Jahre in diesen Büros mit diesen Menschen ausgehalten? Ein Rätsel.

 

Nach erfülltem Tagwerk noch ein bisschen Bauchpinselei. Vor zwei Tagen ist das erste Exemplar meines neuen Buchs bei mir angekommen. Es geht darin, endlich: Um Tiere. Und was die Art und Weise, wie Menschen mit ihnen umgehen, über die Menschen aussagt. Ich habe ein bisschen Angst, jetzt darin zu lesen, weil ich befürchte, ärgerliche Fehler zu finden. Aber ich freue mich auch sehr über das Buch. Wahrscheinlich meine Arbeit, die mir bis jetzt am meisten am Herzen liegt.

 

To absent friends.

 

Mehr 12von12-Sammlungen gibt es wie immer hier.